2. Schlesisches Nach(t)lesen

15. Februar 2008 | 2 Kommentare

Sonnabend, 15.03.2008, 19.00-23.00 Uhr

Logo Schlesisches NachlesenGiftiges in der Apotheke, Erotisches in der Fahrradwerkstatt, Dramatisches im Rundfunksender oder Hochprozentiges im Standesamt. Unbekannte und ungewöhnliche Orte laden Sie am 15. März 2008 zu einem Literaturvergnügen der besonderen Art ein. In Görlitz werden bekannte Persönlichkeiten Texte schlesischer Autoren vortragen. Auch Schriftsteller, die in der Oberlausitz oder in Nordböhmen geboren wurden, sind mit von der Partie.
Sie können einen literarischen Spaziergang durch die Stadt unternehmen. Immer zur vollen und halben Stunde werden die Vorführungen, die jeweils 5-10 Minuten dauern, wiederholt.

Kartenpreis:
im Vorverkauf 5,- €, 7,- €
an der Abendkasse ermäßigte Karten zu 5,00 € für Kinder ab 12 Jahre, Schüler, Studenten, Zivil- und Wehrdienstleistende, Arbeitslose, Rentner und Schwerbehinderte nur an der Abendkasse.

Schneiderei des Theater Görlitz

Demianiplatz 28, Hinterhaus

Matthias Schneider, Leiter des Kulturservices am Theater Görlitz

Wir schreiben das Jahr 1989/90. Die Stadt Görlitz schwankt zwischen Stillstand und Aufbruch, als engagierte Bürger das Heft des Handelns in die Hand nehmen. Zu den Veränderungen gehört auch eine Städtepartnerschaft mit der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden, die wiederum mit Breslau verbunden ist.
Ein Wiesbadener mit schlesischen Vorfahren wird zum Chronisten des Umbruchs in Görlitz.

Rübezahl Museum

Görlitz, Nonnenstr. 1-2

Marianne Paul, schlesisches Tippelweib

Der frechste aller Pferdediebe und Necker, der tollste Markschreier und Bauernklotz, der kühnste Musikant um Felsgetrümmer und um Krummholzknorren. Wohl jeder kennt den Berggeist aus dem Riesengebirge, der aber immer noch nicht alle seine Geheimnisse enthüllt hat.
Otfried Preußler (*1923 in Reichenberg/Nordböhmen) ist vielleicht der deutsche Kinderbuchautor. Wer kennt nicht Der Räuber Hotzenplotz oder Die kleine Hexe.

Physikraum des Augustum-Annen-Gymnasiums

Görlitz, Annengasse 4

Friedhelm Neumann, Direktor des Gymnasiums

Der Neue steht vor der Klasse, schlecht gekleidet, mit altem Schuhwerk. Die Mitschüler sagen Polacke zu ihm, der Lehrer weist daraufhin, dass er nicht aus Breslau sondern aus Wrocław stammt – Eine Szene wie sie sich wahrscheinlich auch im Görlitz der Nachkriegszeit zugetragen haben könnte, als Tausende von Flüchtlingen und Vertriebenen in die Stadt kamen.
Der Schriftsteller Christoph Hein (* 1944 in Heinzendorf/Schlesien) wuchs in Bad Düben auf. Bekannt sind vor allem seine Romane Der fremde Freund, Horns Ende und Willenbrock. 1998-2000 amtierte Hein als Präsident des PEN-Clubs.

Humboldt-Apotheke

Demianiplatz 56, Görlitz

Roland Kaiser, Radio Lausitz

Heimtückische Mordanschläge mit Gift – in den Zeiten der Hussitenkriege war ein Menschenleben nicht viel Wert. Auch Alchemisten und Apotheker stellten ihre Fähigkeiten in den Dienst dunkler Mächte.
Andrzej Sapkowski (* 1948) ist mit Fantasy-Romanen ein Bestsellerautor in Polen. Seine Trilogie um den schlesischen Medicus Reinmar von Bielau wurde mehrfach ausgezeichnet.

Bullmann Fachgeschäft für Sicherheitstechnik

Obermarkt 21, Görlitz

Frank Seibel, Chefredakteur der Görlitz-Redaktion der Sächsischen Zeitung

„Kannst Du nicht einfach auf und davon reiten?“ Der Junge Rix bringt das Blücher-Denkmal in Breslau zum Sprechen. Solange Menschen Kriege bewundern, wird es immer wieder welche geben. Dies muss auch die Statue des Feldmarschalls einsehen. Am nächsten Tag, als das Denkmal für eine Siegesfeier herausgeputzt werden soll, ist der Sockel leer, der alte Held ist für immer verschwunden.
Deutscher Tennismeister 1931, mehrfacher tschechoslowakischer Champion in den dreißiger Jahren – ein bewegtes Leben. Nach Ende seiner sportlichen Karriere verfasste Roderich Menzel (*1923 in Reichenberg/Nordböhmen, † 1987) mehr als 120 Bücher.

MDR-Studio

Görlitz, Brüderstr. 11

Heinz Drewniok, Redakteur MDR, Dramaturg

Gleiwitz Ende August 1939 – Krieg liegt in der Luft. Und doch scheint für die Klavierlehrerin Valeska Piontek die Hochzeit ihrer Tochter das Wichtigste. Dann ertönen aus dem Sender Gleiwitz polnische Stimmen. Der von den Nationalsozialisten inszenierte Überfall dient Hitler als Vorwand, Polen zu überfallen.
Oberschlesien und die Auseinandersetzung zwischen Deutschen und Polen sind das literarische Thema von Horst Bienek (* 1930 in Gleiwitz; † 1990). Die Erste Polka wurde 1978 verfilmt.

Der Fahrradladen

Fischmarkt 4, Görlitz

Prof. Dr. Wojciech Kunicki, Germanistisches Institut der Universität Breslau

Pikant, frivol – manche der vorgetragenen Stellen wird man wohl mit schamhaft nach unten gesenktem Kopf mit solch deutlichen Worten beschreiben müssen. Doch auch Kabarettistisches wird dargeboten. Und keine Angst – immerhin beschäftigen sich seriöse Wissenschaftler an der Universität Breslau mit diesen Texten.
Vor den Nationalsozialisten floh Max Hermann-Neisse (* 1886 in Neisse, † 1941) ins Exil. Leider sind die Gedichte und Stücke des Schriftstellers, der zu den bekanntesten Berliner Literaten seiner Zeit gehörte, weitgehend in Vergessenheit geraten.

Standesamt im Rathaus Görlitz

Görlitz, Untermarkt 6-8

Heinz Eggert, Sächsischer Staatsminister des Innern a.D., MdL

„Die Leute werden von meiner Hochzeit noch nach Jahren reden“, verkündet Hannek in der Kneipe. Da Bräutigam und Trautzeuge am Vorabend dem Schnaps zu gut zusprechen, tritt diese Vorhersehung ein Auf jeden Fall erfüllen nicht Weihrauchdüfte sondern der Gestank nach billigem Fusel das Kirchenschiff.
Mehr als die Tigerente – Heinz Eckert, genannt Janosch (* 1931 in Hindenburg/Zabrze) hat sich auch mit Romanen einen Namen gemacht. Dabei geht es immer wieder um die raue aber doch herzliche Lebensart in Oberschlesien.

Studentenclub Maus

Görlitz, Bei der Peterskirche 6

Prof. Dr. Jutta Blin, Hochschule Zittau/Görlitz

Wie reagiert man auf einen Neffen der ausgerechnet Germanistik studieren will? Wo doch der Beruf eines Ingenieurs oder wenigstens eines Polizisten vielversprechender wäre. Kommissar Mocks Antwort kann jedenfalls niemanden zufriedenstellen.
Mittlerweile gibt es in Breslau eigene Führungen auf den Spuren des Kriminalisten Eberhard Mock. Der Altphilologe Marek Krajewski (* 1966) hat dem Breslau der Zwanziger und Dreißiger Jahre ein Literarisches Denkmal gesetzt. Bisher sind auf deutsch außerdem Tod in Breslau und Gespenster in Breslau erschienen.

Hotel Tuchmacher

Görlitz, Petersstr. 8

Prof. Dr. Ekkehart Paditz, Geschäftsführender Direktor des Klinikums Görlitz

Ein köstlicher Baum, der in einem Lustgarten wächst – kann es ein schöneres Bild für Philosophie und Theologie geben. Allerdings enthalten die Triebe Gutes und Böses, den Heiligen Geist und höllischen Saft.
Der Mystiker, Philosoph und Theosoph Jakob Böhme (* 1575 in Alt-Seidenberg, † 1624) ist international bekannt. Gerade in Görlitz, wo er seit 1599 lebte, pflegt man die Erinnerung an den Schuhmacher.

Bus der Verkehrsgesellschaft PKS Zgorzelec

Zgorzelec, ul. daszynskiego (Haltepunkt am ehemaligen Grenzübergang Altstadtbrücke)

Prof. Dr. Rolf Karbaum, ehemaliger Oberbürgermeister der Stadt Görlitz

Warten an einer Bushaltestelle nahe der ukrainischen Grenze. Kommt die alte Frau selbst aus diesen Gebieten? Was hat sie erlebt und was denken die umherstehenden Kinder? Eine Tagesaufnahme der jetzigen EU-Außengrenze.
Eine Chronistin von Alltagsbegebenheiten, Lyrikerin der deutsch-polnischen Verständigung. Ideen für die Werke der Schwäbin Tina Stroheker (* 1948) liegen in Polen auf der Straße, oder an einer Bushaltestelle.

via regia – Buchhandlung

Görlitz, Brüderstr. 3

Thomas Maruck, Buchhändler

Die Bücher des Schlesischen Nach(t)lesens haben vor allem eines im Sinn: sie wollen gelesen werden! Stöbern Sie durch die Literatur und lassen Sie sich fachkundig beraten.

Alle Bücher, aus denen in dieser Nacht gelesen wird, sind in der via regia – Buchhandlung erhältlich!

via regia Buchhandlung

Logo der Veranstaltung: DIE PARTNER GmbH, Görlitz

geschrieben von admin am Freitag, 15. Februar 2008

Kategorie: Events

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2 Kommentare

1. Lumper

Kommentar vom 11. März 2008 um 13:16

Super Veranstaltung, aber warum ist es nicht als Veranstaltungs Highlight bei euch auf der Startseite?
MfG

Lumper

2. Michael

Kommentar vom 11. März 2008 um 17:41

Da haben wir nur die “super” Highlights. Aber für solche Sachen gibts ja den News-Bereich, den man per Feed abonnieren kann.

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