Scultetus, Bartholomäus

  • Autor: Frank Vater
  • letztes Update: 16. Oktober 2007

Kurzinfo

Bartholomäus Scultetus (Barthel Schulz)

Bartholomäus Scultetus, oder Barthel Schulz, wie sein Geburtsname lautet, wurde 1540 in Görlitz auf dem Rabenberg geboren.

Nach seinem Schulbesuch in Görlitz, studierte er Mathematik und Geschichte an den Universitäten von Leipzig und Wittenberg – unter anderm bei Ph. Melanchthon. Hier entstand auch die Lateinisierung seines Geburtsnamens.

Bereits 1564 erwarb Scultetus den akademischen Grad “Magister”. 1570 kehrte er in seine Geburtsstadt Görlitz zurück, bezog das Haus Petersstraße 4 und übernahm die Stelle eines Dozenten am erst 5 Jahre zuvor neu gegründeten Gymnasium Augustum.

Seit seinem Studium interessierte er sich für Astronomie. 1567 brachte er an einem Außenpfeiler der Peterskirche eine selbst konstruierte Sonnenuhr an. Es wird auch berichtet, daß er östlich der Peterskirche von der Stadtmauer aus Himmelsbeobachtungen durchgeführt haben soll.

Bereits 1572 würdigt er in einem von ihm verfassten Buch die von seinem älteren Bruder Zacharias konstruierte Sonnenuhr am Untermarkt.

Scultetus beschäftigte sich aber auch mit der Kartographie.
So stammt eine 1575 entwickelte geographische Karte des Markgrafentums Meißen und eine 1593 erarbeitete Landkarte der Oberlausitz von ihm.

Nach seinem Amt als Dozent am Gymnasium übertrug ihm die Stadt vielerlei andere Aufgaben. Er hatte zeitweise zum Beispiel die Aufsicht über die Braugenehmigungen in der Stadt. Er kümmerte sich auch um Kirchenfragen, die Almosenverteilung und das Ratsarchiv. Er arbeitete als Schöffe und Stadtrichter.

1592 wurde er dann zu Bürgermeister gewählt.
Mit einigen Unterbrechungen übte er diese Funktion bis zu seinem Tod im Jahre 1614 aus.

Als 1885/86 in Görlitz die Pest ausbrach, war es Scultetus, der sogenannte Pestzettel mit Verhaltens- und Vorbeugemaßnahmen veröffentlichen ließ.

Scultetus erteilte in seiner Funktion als Bürgermeister auch Jakob Böhme die Genehmigung zur Eröffnung einer Schuhbank in Görlitz am Untermarkt.

Unbeeindruckt von seinen städtischen Pflichten verfolgte Scultetus seine wissenschaftlichen Interessen weiter. 1584 wurde er durch den Kaiser Rudolph II. mit der Einführung der Gregorianischen Kalenders in der Oberlausitz beauftragt. Im gleichen Zusammenhang wurde durch Scultetus das Ziffernblatt der Rathausuhr von 24 auf 12 Stunden umgeschrieben und mit der darüber befindlichen Mondphasenuhr verbunden.

Scultetus unterhielt auch weiterhin enge Beziehungen zu einem seiner Schüler, dem Hofastronomen Tycho de Brahe in Prag. 1607 wurde Scultetus von Johannes Kepler, dem Nachfolger von Brahe in Prag, in Görlitz besucht. Beide waren Anhänger des heliozentrischen Weltbildes von Kopernikus.

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