Untermarkt 24 - Ratsapotheke

Das Gebäude Untermarkt 24 wurde vor 1550, ausgehend von einem gotischen Vorgängerbau, errichtet.
Auch hier sind die Renaissancegiebel (1552 datiert) erhalten, nur dass sie in Richtung Peterstraße ausgerichtet sind und diesmal nicht zum Platz zeigen. Der Giebel der Platzseite wurde bereits in barocker Zeit abgetragen.
Die Fenster der Fassade Peterstraße zeugen von einer langen Zeit der Nachwirkung der gotischen Formen. Unschwer als Renaissancefenster einzustufen, zeigen sie doch in ihren Gewänden noch das Motiv der gotischen Stäbung.
Um vieles konsequenter wurde von dem Baumeister die Platzfassade mit den Formen der Renaissance gestaltet. Gemeinsam mit dem Erker weist diese Fassade eine Vielzahl von Parallelen zum äußeren Erscheinungsbild des „Schönhofs“ auf.
Das Renaissanceportal wurde erst bei der Restaurierung 1999 freigelegt. Über dem Portal erinnert eine Gedenktafel an den Arzt und Gesundheitserzieher Ch. A. Struve, der die damals in diesem Haus befindliche Ratsapotheke zeitweise betrieb. Die Korbbögen zu beiden Seiten des Portals stehen in Verbindung mit einem Umbau des Erdgeschosses im Jahr 1771.

Auch im Inneren bietet das Gebäude einige Besonderheiten. Die beiden Portale aus Gotik und Renaissance, die Sie in den Räumen des Cafés finden, sind nur ein kleiner Teil der Schätze, die das Haus vor dem Spaziergänger verbirgt.
Im 1.Obergeschoss sind 2 Räume mit ihrer Renaissanceausstattung erhalten. Der Eckraum mit dem Erker besitzt noch eine vollständige bemalte Holzbalkendecke aus der Bauzeit um 1550.
Dazu gehören die in Görlitz häufig anzutreffenden Säulen in der Fensterfront und mehrere Fragmente von Wandbemalungen. Die Fenster des benachbarten Raumes sind ebenfalls mit einer Säule und mit Fragmenten von Wandbemalungen verziert.

Besonders auffällig ist die ehemalige Ratsapotheke wegen ihrer beiden Sonnenuhren an der südlichen Fassade. Sie wurden 1550 von Zacharias Scultetus geschaffen.
Die linke der beiden Uhren, als „Solarium“ überschrieben, zeigt mit ihren diversen Linien verschiedene Arten von Stunden an. Die Radialen, welche zum Fuß des Schattenzeigers weisen, verdeutlichen die gleichlangen „bürgerlichen“ Stunden. Die antiken (arabische Ziffern) wie auch die bürgerlichen (römische Zahlen in Fraktur) Stunden der italienischen Uhr beschreiben die von links oben nach rechts unten verlaufenden Linien. Die roten Linien zeigen die nordischen oder auch babylonischen Stunden an.
Die radial verlaufenden Linien der benachbarten „Arachne“ (griech. Spinne) ermöglichen das Ablesen der Planetenstunden, aufbauend auf der Zuordnung der Planeten zu den einzelnen Wochentagen. Die roten und weißen Flächen symbolisieren die „Sonnenhäuser“, also die mit Sternkreiszeichen belegten Himmelsabschnitte. Die quer verlaufende Gruppe von Parabeln zeigt den jahreszeitabhängigen Anstieg der Sonne an.

 

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Struveapotheke. Ecke der Petersgasse (Nr. 24). Die Apotheke wurde aus dem Rathause, Ecke der Apothekergasse, im November 1771 hierher von Benj. August Struve verlegt. Das Haus ist viel, vornehmlich im Innern, umgebaut. Es hat noch jetzt in der Petersgasse zwei hohe, schlicht gegliederte Giebel, früher trug auch die Marktseite einen „steinernen Giebel mit einem Umgange“. Ueber die astronomischen Zeichnungen (Planetarium) kann hier nicht gehandelt werden (siehe „Neuen Görlitzer Anzeiger“ 1926, Nr. 291, 12. Dezember). Sie sind von Zacharias Scultetus, einem Bruder des Bartholomäus Scultetus, im Jahre 1550 gezeichnet ). Struves Monogramm findet sich über der jetzigen Eingangstür, vorher sah man auch das Hoffmannsche Wappen  ). Die Renaissanceformen aus dem Jahre 1552 sind in der Petersgasse noch stark von Gotik durchsetzt; im Innern sind noch eine spätgotische Eingangstür und schöne Renaissancesäulen erhalten. Von den Besitzern sind erwähnenswert: Um 1410 Niclas Maxen, um 1445 Conrad Scheitmöller, um 1455 Nickel Karlowitz, 1532 Sebastian Schütze, 1567 Hans Hoffmann, um 1575 Friedrich Hoffmann, um 1600 Hans Glich der Jüngere, um 1620 Heinrich Ritter, um 1680 der Stadtwagemeister Sigmund Brait, um 1696 bis 1740, wo er starb, Gottfried Schneider, Kaufmann und Herr auf Rothenburg, um 1750 Johanne Christiane Isaac, Witwe des Dr. med. Isaac (gest. 1745), seit 1770 Benjamin August Struve, dann Christian August Struve (gest. 1807), Alexander Struve (gest. 1879), Stadtrat, von dem die jetzige Struvestraße ihren Namen hat. Seit 1873 ist Besitzer Dr. Schwendler, seit 1879 Karl Weese, seit 1892 Rudolf Germershausen, der 1926 die astronomischen Zeichnungen erneuern ließ  ).

 

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