Scharfrichterhaus am Finstertor

Das Scharfrichterhaus unmittelbar hinter dem Finstertor ist das einzige vollständig erhaltene Fachwerkhaus der Stadt Görlitz. Datiert ist es auf das Jahr 1666. Es wurde in den letzten Jahren saniert und weitestgehend in den ursprünglichen Zustand versetzt.
Erwähnenswerte Details sind das nördliche Fenster der Straßenfassade und die hofseitige Eingangstür mit ihren in Sgrafittotechnik ausgeführten Renaissancefaschen sowie die Eckquaderung des Außenputzes im Erdgeschoss.
Die Sandsteintafel mit der Inschrift „Im Jahre Christi A 1676 LxSxB“ erinnert an Lorenz Straßburger, den Scharfrichter der Stadt Görlitz, der dieses Haus bewohnte. Derzeit wird das Gebäude von der Jugendbauhütte Görlitz der Deutschen Stiftung Denkmalschutz genutzt.

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Die Scharfrichterei. Des Henkers (Hohers, Züchtiger, Nachrichter) Haus wird zuerst 1377, 1378 und 1381 erwähnt ). 1381 wurde an ihm gebaut, auch 1435 ), 1436 wird „dohinten zum Nachrichter“ gebaut ). Diese Stellen gehen wohl auf die Wohnung in der Büttelei hinter der Schwarzengasse, ähnlich 1441 ). Auch der Umstand, daß 1447 ) an des Nachrichters und des Boten Haus gearbeitet wird, bestätigt das ). Denn nach den Chroniken wohnte der Henker bis 1571 mit dem Büttel hinter der Schwarzengasse, kam dann aber an das Finstertor. 1589 wurde die Büttelei eingerissen und der Grund zur neuen Büttelei und Henkerei gelegt, nach deren Aufbau der Scharfrichter wieder in die Stadt zog ). 1601 kam er endgültig wieder vors Finstertor. An der jetzigen Scharfrichterei steht an der Straßenseite 1666 L.S.B. (Lorenz Straßburger), im Hofe liest man die Jahreszahl 1676 mit der Zeichnung eines Beiles. 1810 geschah eine Erneuerung, unten aus Stein, das übrige aus Lehmwerk ).

 

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