Altstadtbrücke

An der Stelle des westlichen Brückenkopfes der Altstadtbrücke, am Aufgang zur Neißstraße, standen bis zur Mitte des 19.Jahrhunderts Neißtor und Neißturm (1836 abgebrochen). Sie markierten den östlichen Zugang zur Stadt Görlitz. Hier mündete die aus Richtung Breslau kommende via regia.
Nikolai- und Neißturm und deren Toranlagen wurden Mitte des 14. Jahrhunderts erstmalig erwähnt. In dem gleichen Zeitraum ist auch von einer Brücke über die Neiße zu lesen, die die vorher genutzte Furt (wenige Meter nördlich) ablöste. Die Brücke war aus Holz und musste im Laufe ihrer Geschichte häufig neu- oder umgebaut werden.

1906/07 ersetzte man die hölzerne durch eine eiserne Brücke, die aber zum Ende des II. Weltkrieges gesprengt wurde.

Die heutige moderne Altstadtbrücke entstand erst 2003/04 und ermöglicht nun wieder den direkten Weg von der Altstadt in den östlichen Teil der Stadt (Zgorzelec).

Geschichte und Topographie der Stadt Görlitz; Richard Jecht, Görlitz 1927-1934:

Die Neißebrücke.

Sie hat ohne Zweifel schon vor Gründung der Stadt bestanden ). Mit der Anlage der Stadt mag das Wehr und die beiden Mühlen, rechts an der Neiße die Dreiraden-, links die Vierradenmühle, erbaut sein. Die Brücke war aus Holz und erforderte für den Nah- und Fernverkehr fortdauernd Erneuerungen. Hochwasser, Feuersbrünste und starke Abnutzung zwangen zu dauernder Fürsorge und Aufwendung hoher Kosten. Mehr als einmal mußte das ganze Brückenwerk neu aufgebaut und neue Rammpfähle eingestoßen werden.

Um sie möglichst vor Witterungseinflüssen zu schützen, war sie in verschiedenen Zeiten mit einem Schindeldache besetzt, das dann freilich auch stark belastete. Ähnlich war es mit dem Pflaster, das zeitweise für den Bohlenbelag sich in den Quellen findet.

Während die Brücken bei Leschwitz-Posottendorf ) und Penzig nur örtlichem Verkehre dienten, war die Görlitzer Altstadtbrücke seit uralten Zeiten weit und breit der einzige Übergangspunkt für den Verkehr von der Leipziger Bucht und den Gegenden westlich der Elbe auf der Königsstraße nach Schlesien und Polen bis zu den Zeiten der Eisenbahnen und der Erbauung der Reichenberger Brücke (1875) bei der Stadt selbst. Es drängte sich hier also ein ungeheurer Wagenverkehr zusammen.

Die Stadt, die der Brücke ein großes Teil ihres wirtschaftlichen Emporkommens verdankte, mußte natürlich für ihre Erhaltung sorgen und bedeutende Kosten fortlaufend aufbringen. Da war es eine rechte Erleichterung für die Stadtkasse, daß zu Ende 1830 die Brücke in den Besitz der Provinz Schlesien überging. Diese hat dann auch schließlich 1906/1907 eine neue eiserne Bogenbrücke, die sich nur auf 2 Uferpfeiler stützt, erbaut. Dieser Besitz hat bis 1913 gedauert, wo die Provinz wiederum die Brücke an die Stadt abtrat. Die Entfernung der alten Holzbrücke mag eine Notwendigkeit gewesen sein, das beschauliche, malerische Gepräge, das die Brücke dem Gelände an der Neiße gab, hat freilich arg gelitten. Man hätte doch steinerne Bögen anwenden sollen und hätte dadurch die alte Schönheit erhalten und vielleicht verstärken können.— Die Nachrichten über die Brücke sind in den alten Quellen seit 1376 sehr reichlich. Hier kann nur weniges beigebracht werden.

Schon 1376 wird eine „Heimlichkeit“ (Abort) erwähnt ). Im Juli 1432 fiel die Brücke der großen Wasserflut zum Opfer. Als man 1434 ziemlich mit dem Neubau, der wiederum ein Häuschen oder Prevet und ein Schindeldach enthielt, fertig war, da kamen ein Eisgang im Februar und eine Hochflut am 30. Juli und zerstörten das Werk von neuem. Ein gebauter Prahm und ein Notsteg auf Fässern hielten den Verkehr aufrecht ). 1441 legte man die Brücke höher. Man hatte den Zimmermeister Franz nach Grimma geschickt, um die dortige Brücke in Augenschein zu nehmen ).

Schon 1434 hatte der Rat mit demselben Meister einen Vertrag geschlossen ). 1441 ist ein Legat von 10 Mark „zu dem Bau der neuen Brücken, die man über die Neiße meinet zu bauen“, erwähnt. In der großen Feuersbrunst vom 12. Juni 1525 brannte nebst den naheliegenden Gebäuden die Neißebrücke bis aufs Wasser ab, obwohl sie mit geringer Mühe durch Abschlagung des Daches zu retten gewesen wäre. Sie war bis dahin „bedacht“ und gepflastert und von sehr festem Holzwerke. Nach dem Brande wurde sie in 14 Tagen notdürftig wieder hergestellt. Während dieser Zeit mußte man durch die Furt beim Gericht (Galgen) fahren. Jetzt beschloß man, die Brücke steinern zu bauen.

Die Sache kam aber erst 1536 wieder in Fluß, und man ließ jetzt schon Steine bei Peinig brechen. Man besichtigte nun die Stelle, dahin die Brücke am „getlichsten“ zu legen, mit dem Werkmeister Wendel Roßkopf, konnte aber nicht schlüssig werden. Soviel aber sah man, daß die Brücke etwas weiter nach Süden über die Neißebadestube links der Neiße und über den Spitalkirchhof rechts der Neiße gelegt werden müsse. Man kam also zu demselben Entschluß, der 1903 ausgeführt wurde, wo man die gleiche Verlegung vornahm. Wendel Roßkopf wurde beauftragt, sich um Leute zu fragen, die solcher Wasserbauten kundig, und auf Rates Kosten sie in die Stadt zu bringen ). Der steinerne Bau unterblieb jedoch damals (1536).

1545 hat man an der Neißebrücke angefangen zu bauen und dieselbe zu fassen, 3 Joche wurden erneuert. Der Bau zog sich bis 1547 hin. Die Baumeister waren Hans Seiboth, den das Kürbuch von 1545 als Unterbaumeister aufführt, und Urban Laurisch sein Knecht ). Man setzte auch ein Dach auf, ließ aber beide Seiten offen, auch pflasterte man den Weg. Das Pflaster wurde 1576 abgerissen und Dielen gelegt, 1587 aber wieder Pflaster aufgelegt.

1622 am 18. Juli ist das mittelste Joch eingebrochen und in die Neiße gefallen mit großem Krach, wobei 8 Menschen in große Gefahr kamen ). Erst am 17. September 1622 konnte man wieder über die Neiße fahren. Schlimmes hatte die Brücke bei der Belagerung 1641 zu leiden. Die Belagernden suchten sie durch schweres Geschütz unbrauchbar zu machen und zündeten sie durch ein Feuerwerk an ). Über den Aufbau berichtet eine neuere Arbeit ).

Der damalige Befehlshaber von Görlitz, der sächsische Oberst von Arnim, hatte nördlich von Görlitz bei Ludwigsdorf eigenmächtig eine Brücke eingerichtet und dort einen Zoll erhoben, mußte aber auf einen scharfen Befehl des Kurfürsten davon abstehen. Am 17. Dezember 1642 war die Görlitzer Brücke wieder vollständig befahrbar.

1659 wurde die Brücke mit einem Schindeldache versehen und ganz neu erbaut, ebenso 1777. 1813 wurde nach der Schlacht bei Bautzen die Neißebrücke früh am 25. Mai von den zurückweichenden Preußen und Russen angezündet ).

Erst am 3. Juni war sie wieder befahrbar. Der flüchtende Macdonald versuchte am Abend des 1. September den wichtigen Übergangsweg wieder durch Feuer zu zerstören, doch blieb noch ein Teil stehen. Bei einem neuen Vorstoß am 6./9. September arbeiteten die Franzosen rastlos an der Fertigstellung der Brücke, um sie dann wieder zu zerstören. Erst am 6. Oktober war sie leidlich wieder hergestellt, doch wurde noch wochenlang an ihr gearbeitet. Am 27. Januar 1846 wurde an der Seite der Dreiradenmühle das Wehr durch einen Eisgang durchbrochen, erst am 3. November 1846 war dem Schaden abgeholfen ).

Besondere Schiffsbrücken lassen sich 1641, sodann auch 1697, als August der Starke eine Besichtigung seiner Truppen hinter dem Luftgarten bei Hennersdorf abhielt, ferner 1757 und 1813 oberhalb und unterhalb der Hauptbrücke nachweisen. Das noch jetzt stehende Vorwerk, die Tischbrücke (d.h. flache Brücke), hat davon seinen Namen.

Am nördlichen Ausgange der Hotergasse führte zu dem Kuttelhofe eine Brücke; dieses ansehnliche Gebäude, das ein Schlachthof war, stand wohl halb über der Neiße, und man brachte das Schlachtvieh über ein Brückchen dorthin. Als der Kuttelhof 1691 abbrannte, baute man ihn nicht wieder auf, ebensowenig den Steg (Brücke). Dort gab es auch eine Pforte, bei der wegen der Einfuhr fremden Bieres 1481; ein besonderer Wächter war ).

An der südlichen Hotergasse fand sich bei der Vierradenmühle nach der Hotergasse zu eine Brücke und ein Hotertor, die schon um 1310 erwähnt werden ), das Tor wurde bei der Belagerung 1641 verrammelt und verschüttet. Die Hoterbrücken spielen noch um 1835 bei der Regulierung der Gasse eine Rolle. Uebrigens sprach man auch von 2 Hotertoren, das eine am nördlichen Ausgang ist wohl gleich dem Kutteltore und wurde später gemeinhin auch Hotertor genannt. Eine malerische Brücke mit drei Bögen fand sich auf der Schanze.

Die fortdauernd wachsende Stadt und der von der Seidenberger und Leopoldshainer Chaussee sich steigernde Wagenverkehr zwangen zum Bau der Reichenberger Brücke, die am 20. Juni 1875 dem Verkehr übergeben wurde. Dadurch entstand allmählich der große Häuserblock bei Stadt Prag. Früher benutzte man zu Zeiten in der Gegend eine Furt über die Neiße, die ihren Zugang durch die Furtstraße und den früheren Exerzierplatz hatte.

 

weiterführende Texte:

historischer Pressespiegel: