Untermarkt 24

  • Autor: Frank Vater
  • letztes Update: 23. September 2007

Kurzinfo

Die Görlitzer Ratsapotheke am Untermarkt 24

Ansicht Ratsapotheke Das Gebäude Untermarkt 24 wurde vor 1550, ausgehend von einem gotischen Vorgängerbau, errichtet.
Auch hier sind die Renaissancegiebel (1552 datiert) erhalten, nur dass sie in Richtung Peterstraße ausgerichtet sind und diesmal nicht zum Platz zeigen. Der Giebel der Platzseite wurde bereits in barocker Zeit abgetragen.
Die Fenster der Fassade Peterstraße zeugen von einer langen Zeit der Nachwirkung der gotischen Formen. Unschwer als Renaissancefenster einzustufen, zeigen sie doch in ihren Gewänden noch das Motiv der gotischen Stäbung.
Um vieles konsequenter wurde von dem Baumeister die Platzfassade mit den Formen der Renaissance gestaltet. Gemeinsam mit dem Erker weist diese Fassade eine Vielzahl von Parallelen zum äußeren Erscheinungsbild des „Schönhofes“ auf.
Das Renaissanceportal wurde erst bei der Restaurierung 1999 freigelegt. Über dem Portal erinnert eine Gedenktafel an den Arzt und Gesundheitserzieher Ch. A. Struve, der die damals in diesem Haus befindliche Ratsapotheke zeitweise betrieb. Die Korbbögen zu beiden Seiten des Portals stehen in Verbindung mit einem Umbau des Erdgeschosses im Jahr 1771.

Ansicht Sonnenuhren Besonders auffällig ist die ehemalige Ratsapotheke wegen ihrer beiden Sonnenuhren an der südlichen Fassade. Sie wurden 1550 von Zacharias Scultetus geschaffen.
Die linke der beiden Uhren, als „Solarium“ überschrieben, zeigt mit ihren diversen Linien verschiedene Arten von Stunden an. Die Radialen, welche zum Fuß des Schattenzeigers weisen, verdeutlichen die gleichlangen „bürgerlichen“ Stunden. Die antiken (arabische Ziffern) wie auch die bürgerlichen (römische Zahlen in Fraktur) Stunden der italienischen Uhr beschreiben die von links oben nach rechts unten verlaufenden Linien. Die roten Linien zeigen die nordischen oder auch babylonischen Stunden an.
Die radial verlaufenden Linien der benachbarten „Arachne“ (griech. Spinne) ermöglichen das Ablesen der Planetenstunden, aufbauend auf der Zuordnung der Planeten zu den einzelnen Wochentagen. Die roten und weißen Flächen symbolisieren die „Sonnenhäuser“, also die mit Sternkreiszeichen belegten Himmelsabschnitte. Die quer verlaufende Gruppe von Parabeln zeigt den jahreszeitabhängigen Anstieg der Sonne an.

Ansicht Säulen Auch im Inneren bietet das Gebäude einige Besonderheiten. Die beiden Portale aus Gotik und Renaissance, die Sie in den Räumen des Cafés finden, sind nur ein kleiner Teil der Schätze, die das Haus vor dem Spaziergänger verbirgt.
Im 1.Obergeschoss sind 2 Räume mit ihrer Renaissanceausstattung erhalten. Der Eckraum mit dem Erker besitzt noch eine vollständige bemalte Holzbalkendecke aus der Bauzeit um 1550.
Dazu gehören die in Görlitz häufig anzutreffenden Säulen in der Fensterfront und mehrere Fragmente von Wandbemalungen. Die Fenster des benachbarten Raumes sind ebenfalls mit einer Säule und mit Fragmenten von Wandbemalungen verziert. Beide Räumlichkeiten sind übrigens für Konferenzen mietbar.

Holzbalkendecke

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