St. Peter und Paul

  • Autor: Frank Vater
  • letztes Update: 15. Oktober 2007

Kurzinfo

Die Görlitzer Peterskirche

Ansicht der Peterskirche Die Görlitzer Peterskirche, deren Grundstein im Mai 1423 gelegt wurde, erhebt sich an der Stelle einer früheren Pfeilerbasilika des frühen 13. Jahrhunderts.
Von diesem Vorgängerbau ist der spätromanische Westriegel erhalten geblieben. Das Gewändeportal an der Westseite der Kirche stammt aus der Zeit um 1235, wurde aber im Zusammenhang mit dem spätgotischen Neubau verändert.
1457 wurde als erster Teil der neuen Kirche die Unterkirche, welche sich heute unter dem Chor der Hallenkirche befindet, geweiht. Parallel dazu hatte man begonnen, die Nordseite des Vorgängerbaus zu ersetzen.
Bereits 8 Jahre nach der Weihe der Unterkirche konnte der darüber befindliche Hallenchor fertig gestellt werden. Nach insgesamt 74 jähriger Bauzeit erfolgte die Weihe der neuen fünfschiffigen Kirche. Das hohe kupfergedeckte Dach der Kirche, welches die drei mittleren Schiffe überspannt, wurde erst 1507-1515 vollendet.
Die beiden Portale an Nord- und Südseite der Halle sind Ergänzungen der Jahre 1543 und 1553. Die heute die äußere Gestalt prägenden Turmspitzen erhielt die Kirche in den Jahren 1889-1891. Bis dahin wurde das Westwerk von barocken Hauben abgeschlossen, die das Dach nur wenig überragten.

Details der Peterskirche
Portal – Maßwerkfenster – Detail Aussenwand

Innenansicht der Peterskirche Die Halle der Peterskirche verdankt ihren Charakter im Wesentlichen den schlanken Pfeilern und den durch Conrad Pflüger geschaffenen Netzrippengewölben. (Pflüger war ein Schüler Arnolds von Westphalen, des Erbauers der Albrechtsburg in Meißen, und war in den letzten Jahren des 15.Jh. gleichzeitig herzoglich sächsischer Werkbaumeister und Görlitzer Stadtbaumeister.)
Die Schlusssteine der Gewölbe tragen Reliefs mit Darstellungen des Lebens Jesu von der Verkündigung seiner Geburt über die Passion bis hin zu Auferstehung, Himmelfahrt und der Ausschüttung des Heiligen Geistes zu Pfingsten. Bei einem Brand im Jahr 1691 wurde das gesamte spätgotische Inventar zerstört.
Dazu gehörten mehr als 30 Schnitzaltäre, das Geläut, beide Orgeln, kostbare Messgewänder, Altargeräte und Bücher. Nur das schmiedeeiserne Gitter der Taufkapelle (1617) blieb erhalten. Das heutige barocke Inventar stammt aus den Jahren nach diesem Brand. Dazu gehören u.a. die vergoldete Kanzel (1693), der Altar (1695), das Ratsgestühl, 3 evangelische Beichtstühle und die von Eugenio Casparini geschaffene und mit einem Prospekt von Johann Conrad Buchau ausgestattete Orgel (Sonnenorgel, 1703).

Inventar der Peterskirche
Beichtstuhl – Petrus – Altar

Sonnenorgel

Ansicht der Sonnenorgel Die Orgel entstand im Zusammenhang mit der Neubeschaffung des Inventars nach dem Brand der Kirche im Jahr 1691. Hierzu holte man 1700 den Orgelbauer Eugenio Casparini nach Görlitz. Der aus der Lausitz stammende Casparini (ursprünglich Eugen Caspar) hatte in Italien gelernt, war dort sesshaft und für seine besonderen Fähigkeiten berühmt geworden. In den folgenden Jahren schuf er in Görlitz ein barockes Instrument gigantischen Ausmaßes.
Die Bezeichnung „Sonnenorgel“ bürgerte sich ein, weil der vom Görlitzer Bildhauer Johann Conrad Buchau geschaffene Prospekt 18 Sonnen zeigt, die jeweils kreisförmig von Pfeifengruppen umgeben sind.
Auch die Instrumente der musizierenden Engel in den Giebelgruppen und der Putten im Brustwerk waren ursprünglich spielbar. Nach mehr als 200 Jahren war das originale Orgelwerk so verschlissen, dass es 1927 gegen ein elektropneumatisches der Orgelbaufirma Sauer ausgetauscht wurde. Diese „Interimslösung” war aber nicht von Dauer. Als das Orgelwerk 1978 wegen des fortschreitenden Verschleißes aufgegeben werden musste, entschloss sich die Gemeinde der Peterskirche zu einem Orgelneubau unter Berücksichtigung des historischen Prospektes.
In den Jahren nach 1995 baute die Mathis Orgelbau AG aus der Schweiz mit dem Ziel, der Disposition der Casparini-Orgel so nahe wie möglich zu kommen, ein neues Werk in den inzwischen sanierten Prospekt.
Seit Mai 2004 klingen sogar wieder die „Sonnen“ der Orgel. Die neue Orgel schöpft ihre Klangfülle und –vielfalt aus 6085 Pfeifen, 89 Registern, vier Manual- und zwei Pedalklaviaturen. Die größte der Pfeifen misst 7,82 m. Besonderheiten der Orgel sind die barocken Spielzüge, z.B. Vogelstimmen (Nachtigall, Kuckuck) und Cymbelstern.

eine Sonne
Eine der 18 Sonnen

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