Der Görlitzer Kaisertrutz
1490 begann die Stadt Görlitz mit der Errichtung dieses Rondells vor dem Reichenbacher bzw. Budissiner Tor, dessen Bestandteil der mit ihm durch hohe Mauern verbundene Reichenbacher Turm war. Seinen heutigen Namen erhielt diese Befestigungsanlage erst 1641, als die Schweden an dieser Stelle den kaiserlichen und kursächsischen Truppen trotzten.
Für das Jahr 1587 ist die Nutzung dieser Bastei zur Lagerung eines Teiles des Ratsarchivs vermerkt.
Erst 1848 wurde der bis dahin den Kaisertrutz umgebende Graben verfüllt, 1850 das ursprüngliche Erdgeschoss zugeschüttet und ein zusätzliches Geschoss über dem vormals hölzernen Wehrgang errichtet. Zu dieser Zeit erhielt der Kaisertrutz auch seinen heute sichtbaren Vorbau mit den beiden Ecktürmen.
Die Renaissancehaube des Turmes wurde zu dieser Zeit durch ein neogotisches Geschoss ersetzt, dessen Zinnen 1936 wieder abgebrochen wurden.
Kulturgeschichte von der Altsteinzeit bis in die Neuzeit
1932 wurde der Kaisertrutz als Teil des heutigen Kulturhistorischen Museums eröffnet. Seine Dauerausstellung bietet den Besuchern eine umfassende Einsicht in die Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte der Stadt.
Archäologische Funde aus dem Stadtgebiet und dem Umland führen zurück bis in die frühe Besiedlungsgeschichte der Region vor über 10.000 Jahren.
Die Topographie und das Aussehen der mittelalterlichen Stadt veranschaulicht ein Stadtmodell. Die weitere Entwicklung und Expansion lässt sich u.a. anhand von Stadtansichten des 16. bis 19. Jahrhunderts nachvollziehen. Das Görlitzer Handwerk ist mit einer Vielzahl von Zunftaltertümern vertreten. Besondere Aufmerksamkeit gebührt dem Tuchmacherhandwerk und dem Tuchhandel. Kostbare Altäre, Skulpturen, Tafelbilder und Textilien des 14.-16. Jahrhunderts ermöglichen eine Vorstellung von Kunst und Kunsthandwerk der spätmittelalterlichen Blütezeit in Görlitz und berichten vom religiösen Leben. Bildnisse, Sargschilder, Erinnerungsstücke und Alltagsgerät zeugen von der bürgerlichen Stadtkultur vom Barock bis zum Biedermeier.
Die Gemäldegalerie im obersten Geschoss ist der wertvollen Sammlung von hauptsächlich regionalen Kunstwerken mit zeitlichem Schwerpunkt im 19. und 20. Jahrhundert vorbehalten. Im Erdgeschoss finden im Sommerhalbjahr große Wechselausstellungen zu Themen der Archäologie, Geschichte und Kunst statt.

- Ausstellungsstücke – Fotos: Kulturhistorisches Museum
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